«

»

Jul
02
2007

Ostdeutsche lesen immer weniger Tageszeitungen

Gruppe LEIF [gruppe LEIF-29.07.07] Kostenlose Anzeigenzeitungen gewinnen Leser / Starkes Interesse an Nachrichten, wenig Interesse an Promis

Tageszeitungen verlieren – wie bereits in den Jahren zuvor – weiterhin Leser. 60 Prozent der Ostdeutschen lesen regelmäßig (mehrmals in der Woche) eine Tageszeitung. Ein Jahr zuvor hatten noch 62 Prozent und vor fünf Jahren sogar 83 Prozent (2002) mehrmals in der Woche eine Tageszeitung gelesen.

Zu diesen Ergebnissen gelangt das Leipziger Institut für empirische Forschung LEIF in einer aktuellen Studie ’Medien 2007‘. Basis für diese Forschung ist eine repräsentative Bevölkerungsbefragung von 1.200 Einwohnern im Alter ab 16 Jahre in Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen.

Die Ursachen für den Rückgang der Leserzahlen in den zurückliegenden Jahren sieht der Chef des LEIF-Institutes, der Soziologe Dr. Harald Schmidt, vor allem im Mangel an Geld: „33 % der Nicht-Leser geben finanzielle Gründe für ihren Verzicht auf die Tageszeitung an. Dieser Anteil nimmt seit einigen Jahren zu (2005: 28 %). 22 % der Nicht-Leser haben zum Zeitung lesen keine Zeit. Aber es gibt auch grundsätzlich das Desinteresse am Lesen von Zeitungen. 2006 erklären 21 % der Nicht-Leser ihr Desinteresse. 12 % der Nicht-Leser von Printmedien stillen ihr Informationsbedürfnis durch andere Medien.“ (Der Rest gibt andere Gründe für den Leseverzicht an.)
Für bestimmte Zielgruppen werden zunehmend kostenlose Anzeigenzeitungen ein Ersatz für die Tageszeitungen. 4,55 Millionen Ostdeutsche lesen regelmäßig kostenlose Anzeigenzeitungen. Das sind etwa 96-tausend mehr als im Vorjahr.

Das Internet ist zu einer wichtigen Quelle auch für die tägliche Nachrichten-Information geworden. Aber es ist nicht die primäre Ursache für die rückläufige Entwicklung der Leser von Tageszeitungen. Von den Internetnutzern sind 56 % zugleich Tageszeitungsleser. Sie informieren sich in der Zeitung und im Internet. 44 % lesen keine Tageszeitung und beschränken sich ausschließlich auf die aktuellen Internet-Informationen. Es gibt in dieser Hinsicht zum Vorjahr kaum eine Veränderung.

Der Verzicht auf das Lesen von Zeitungen und Zeitschriften zeigt sich aber differenziert. Mit steigendem Alter nimmt auch das Interesse an der Tageszeitung zu. 32 % der Teenager ab 16 Jahre, 40 % der Twens zwischen 20 und 25 Jahren, aber 76 % der 56- bis 65-Jährigen und 83 % der Altersgruppen 65 plus lesen regelmäßig eine Tageszeitung. Entsprechend dieser Alterstruktur lesen Schüler, Lehrlinge und Studenten deutlich weniger als die Berufstätigen. Rentner lesen am meisten. Es folgen Selbständige und leitende Angestellte. Mit wachsender Bildung erhöht sich auch der Anteil der Tageszeitungsleser.

Aktuelle Nachrichten sind gefragt
„Regionale und globale Nachrichten sind die wichtigste Dienstleistung, die Tageszeitungen auch heute noch anbieten müssen. Dafür interessieren sich nach wie vor die meisten Leser.“, stellt der Soziologe Dr. Schmidt fest. 78 % der ostdeutschen Leser interessieren sich stark für regionale, 81 % für Nachrichten aus Deutschland und 73 % für Nachrichten aus aller Welt. Weitere wichtige Themen sind Politik, Ratgeber- bzw. Verbraucher-Tipps, Soziales und Arbeitsmarkt, Kultur, Reise, Sport und Wirtschaft (Reihenfolge = Rangfolge). Mit Abstand am wenigsten interessieren sich ostdeutsche Tageszeitungsleser für Klatsch. Etwa ein Viertel (26 %) der ostdeutschen Zeitungsleser interessieren sich für Berichte über das Leben von Prominenten.

Quelle Nachrichten: www.gruppeleif.de (29.07.07)

· Gelesen: 3684 · heute: 2