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Mrz
19
2008

Grimme-Preisträger 2008 stehen fest

2008-03-19 211725[Adolf Grimme Institut-19.03.2008] Dominik Graf erhält den siebten Adolf-Grimme-Preis / ProSieben und Sat.1 punkten bei der Unterhaltung

Marl/Düsseldorf – 2007 war ein besonders starkes Jahr für den deutschen Fernsehfilm. Dies betonte der Direktor des Adolf-Grimme-Instituts, Uwe Kammann, bei der Bekanntgabe der Grimme-Preise am 19. März in Düsseldorf. Die Jury des Bereichs Fiktion habe ausdrücklich bedauert, trotz der Fülle herausragender Fernsehfilme in ihrem Kontingent nur fünf Preise vergeben zu können. Dies belege deutlich, dass „das deutsche Fernsehen gerade auch im fiktionalen Bereich weiterhin erstklassig“ sei. Dies gelte auch im internationalen Vergleich.

Insgesamt zwölf Produktionen in drei Wettbewerbskontingenten – Fiktion, Information & Kultur sowie Unterhaltung – erhalten die begehrte Auszeichnung. Darunter sind „Eine Stadt wird erpresst“ (ZDF/arte) von Dominik Graf, die Dokumentation „Das kurze Leben des José Antonio Gutierrez“ (ZDF/arte) von Heidi Specogna und die Serie „Dr. Psycho“ (ProSieben) mit Christian Ulmen.

Ingesamt, so Kammann, gebe es bei den preisgekrönten Produktionen ein „beachtliches Spektrum der Handschriften, der Temperamente und der professionellen Gestaltung“: Inhaltliche und formale Vielfalt sowie klare Autorenprofile gehörten weiterhin zu den Stärken des Programms. Die Bandbreite der Themen spiegele „die Komplexität des individuellen und gesellschaftlichen Lebens“. Eindeutige Schwerpunkte gebe es nicht. Allerdings sei auffallend, dass die Behandlung der deutsch-deutschen Geschichte und Geschichten weiter eine wichtige Rolle spiele.

Statistisch hat das ZDF diesmal mit sieben Auszeichnungen ein deutliches Plus. Dies, so Kammann, sei nicht auf einen generellen Nenner bei der Beurteilung zu verkürzen oder als Trendaussage zu nehmen, weil es bei Preisfindungen auch punktuelle Faktoren gebe und in den vorherigen Jahren wiederum andere Sender starke Akzente hätten setzen können. Die Jurys ließen sich bewusst nicht von Proporzüberlegungen leiten. Gleichwohl verdiene diese Programmleistung des ZDF bei Spitzenproduktionen einen besonderen Respekt. Die privaten Sender bewiesen ihre Stärke dort, wo sie auch allgemein vermutet werde: bei der Unterhaltung. Dies habe sich auch schon bei den Nominierungen gezeigt.

Die Qual der Wahl in der Fiktion habe dazu geführt, dass von der Jury als absolut preiswürdig bewertete Filme letztlich leer ausgegangen seien. Dazu gehörten „Contergan“ von Adolf Winkelmann, „Duell in der Nacht“ von Matti Geschonneck, „Rose“ von Alain Gsponer, „Ein spätes Mädchen“ von Hendrik Handloegten, „Angsthasen“ von Franziska Buch, „Tatort: Kleine Helden“ von Fillipos Tsitos und „Die Boxerin“ von Catharina Deus.

Bemerkenswert sei, dass der Regisseur Dominik Graf immer wieder mit beeindruckenden Arbeiten vertreten sei, die jedes Mal eine ganz eigene Prägung hätten. In diesem Jahr bekommt Graf seinen siebten Grimme-Preis und liegt nunmehr gleichauf mit Heinrich Breloer. Außer Grafs „Eine Stadt wird erpresst“ erhalten die Fernsehfilme „Guten Morgen, Herr Grothe“ (ARD/WDR), „Eine andere Liga“ (ZDF/arte), „An die Grenze“ (ZDF/arte) und die Krimi-Reihe „KDD – Kriminaldauerdienst“ einen Adolf-Grimme-Preis in der Kategorie Fiktion.

Auch bei den Informationssendungen habe es, so Uwe Kammann, wieder hervorragende Produktionen gegeben. So zeige die Dokumentation „Unser täglich Brot“ von Nikolaus Geyrhalter in eindringlicher und beklemmender Weise, ohne Kommentar, den ultimativen Mechanisierungsgrad der Nahrungsmittelproduktion: „Dies spricht für die Kraft der Bilder und die Nachhaltigkeit der Anschauung und damit für die Möglichkeiten des Mediums“.

Zu den Grimme-Preisträgern in dieser Wettbewerbskategorie zählen weiter „Das kurze Leben des José Antonio Gutierrez“ (ZDF/arte), „monks – the transatlantic feedback“ (ZDF/3sat/HR), „Luise – eine deutsche Muslima“ (NDR/WDR/arte) und die Dokumentation „Zwischen Wahnsinn und Kunst“ (SWR/ZDFdokukanal), für die der Autor und Regisseur Christian Beetz außerdem den Publikumspreis der Marler Gruppe erhält.

Der Film zeigt die Schicksale und Kunstwerke von Psychatrie-Patienten, ausgehend von der historischen Sammlung des Nervenarztes Hans Prinzhorn. Dabei schafft er immer wieder auch Bezüge zur Gegenwart. Es sei „ein stiller Film über die Paralleluniversen jener Menschen, welche die Regularien unserer Welt nicht aushielten“, schreibt die Jury in ihrer Preisbegründung, mit einem Zugang, „den Schnitt, Text, Musik und Sprecher in bestechender Geschlossenheit vermitteln“.

Beim dritten Wettbewerbskontingent, der Unterhaltung, habe die Jury einen gewissen Mangel an frischen Ideen, neuen Konzepten und originellen Realisationen beklagt, so der Grimme-Direktor. Allerdings sei das Institut weiterhin froh, für die Unterhaltung zwei eigenständige Preise eingerichtet zu haben: „Damit zeigen wir klar, wie wichtig diese Programmsparte ist und dass natürlich auch hier eine hohe Qualität möglich ist.“

Genau dies belegten die beiden Produktionen, die in diesem Jahr mit einem Adolf-Grimme-Preis ausgezeichnet werden, „Fröhliche Weihnachten“ (Sat.1) mit Bastian Pastewka und Anke Engelke sowie „Dr. Psycho“ (ProSieben) – beide produziert von Brainpool TV. Für die Serie „Dr. Psycho“ erhalten Ralf Husmann als Headwriter, Ralf Huettner und Richard Huber für die Regie sowie Christian Ulmen stellvertretend für das Darsteller-Team die Trophäen.

„Schon bei der Nominierung hat sich gezeigt, dass hier die ‚Klassiker’ des Genres den Ton angeben und die Markierungen setzen“, so Uwe Kammann zum Wettbewerb Unterhaltung. Dies demonstriere jetzt auch der Preis für Anke Engelke und Bastian Pastewka als Hauptakteure der Weihnachtsparodie.

Die Besondere Ehrung des Deutschen Volkshochschul-Verbandes für herausragende Verdienste um das Fernsehen geht in diesem Jahr – wie bereits berichtet – an die Schauspielerin Iris Berben.

Der 44. Adolf-Grimme-Preis wird am 4. April 2008 in Marl verliehen. Die Moderation des Abends übernimmt Dieter Moor („titel, thesen, tempera-mente“). Die musikalische Unterhaltung liefern die 17 Hippies. Der Sender 3sat strahlt die Preisverleihung am selben Abend um 22.25 h zeitversetzt aus. Am 6. April zeigt der WDR in „west.art am sonntag“ eine Zusammenfassung der Preisverleihung.

Quelle Pressemitteilung: www.grimme-institut.de (19.03.2008)

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