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Aug
26
2009

Führen die Medien Unternehmer in die Irre?

Human Ecology [Springer Science+Business Media-26.08.09] Eine neue Studie zeigt, wie Silbersucher von Zeitungsberichten verleitet wurden

Verlässliche Informationen stammen nicht unbedingt aus der Zeitung. Bekanntmachungen aus informellen oder schriftlichen Quellen, wie beispielsweise Zeitungen, führen Unternehmer in die Irre. Dies ist die These von Dr. Susan Glover von der University of California (USA). Die Wissenschaftlerin hat kürzlich in der Online-Ausgabe der Springer-Fachzeitschrift Human Ecology nachgewiesen, wie die Strategien der Colorado-Silbersucher im ausgehenden 19. Jahrhundert durch entsprechende Bericht-erstattung in der Presse beeinflusst wurden.

Es ist ein Rätsel, warum sich Menschen ihre ökonomischen Strategien von fragwürdigen Informationen diktieren lassen. Trotzdem ist es nicht ungewöhnlich, wenn Investoren auf ein ökonomisches Massen-phänomen wie den Dot.com-Boom oder die jüngste Wirtschaftskrise übermäßig enthusiastisch reagieren.

Dr. Glover demonstriert am Beispiel des Colorado-Silberrausches, welchen Einfluss Medien und öf-fentliche Informationen auf ökonomische Strategien haben. Sie vergleicht das tatsächliche Verhalten der Silbersucher in Gothic, Colorado, mit dem optimalen Verhaltensmuster. Dieses Optimalitätsmodell wird in der Verhaltensökologie auch als Central Place Foraging (CPF)* bezeichnet. Die Daten entnahm Glover den Zeitungen aus jener Zeit, da die darin enthaltenen Informationen eine „versteinerte“ Version dessen sind, was die Öffentlichkeit aus eher informellen Quellen wie den Saloons wusste.

Wie sich bei ihren Untersuchungen herausstellte, war die Berichterstattung in den lokalen Zeitungen in Bezug auf die Silbervorkommen übertrieben. Dies hat dazu geführt, dass die Sucher das tatsächliche Risiko und den mit der Silbersuche verbundenen Aufwand an Zeit und Energie unterschätzten. Da sich das Risiko für die Silbersucher nicht auszahlte (ein Teil des Risikos war z.B. die Entfernung zwischen der Stadt und den Minen – entspricht nicht dem CPF-Verhaltensmuster), hatten sie mit ihrer Investition zuviel riskiert.

Obwohl die Medien einen großen Einfluss auf die Öffentlichkeit haben, indem sie augenscheinlich genaue Informationen bereitstellen, werden sie, wie an diesem Beispiel deutlich wird, selbst in die Irre geleitet.

Wie diese Studie zeigt, ist Risikomanagement in einer Umgebung, in der Entscheidungen auf Informationen beruhen, die von Dritten bereitgestellt werden und möglicherweise manipuliert sind, so gut wie unmöglich und birgt ein großes Fehlerpotential.

Die derzeitige weltweite Finanzkrise ist hierfür ein extremes Beispiel. Der Einzelne hat sein finanzielles Risiko unterschätzt (Hypothekenkredite), weil er sich auf die Aussagen der Medien und der Wirtschafts- und Finanzexperten verlassen hat. Gemäß dem CPF-Modell hat er sich in der trügerischen Hoffnung auf eine bessere Zukunft zu weit von seinem Heimatstandort entfernt.

*CPF-Modelle haben die Funktion, Optimalitätsstrategien für den Einzelnen zu ermitteln. Diese Modelle prognostizieren, dass der Einzelne eine größere Belohnung erwartet, wenn er ein höheres Risiko eingeht und bereit ist, sich zunehmend von seinem Standort zu entfernen.

Quelle: Glover SM (2009). Propaganda, public information, and prospecting: explaining the irrational exuberance of central place foragers during a late nineteenth century Colorado silver rush. Human Ecology DOI 10.1007/s10745-009-9270-1

Quelle Pressemitteilung: www.springer-sbm.de (26.08.2009)

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