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Mrz
11
2010

ePublishing – neue digitale Chancen für alle Verlage!

gute Nachrichten für Verlage [VDZ-11.03.10] Gastbeirtag von Alexander von Reibnitz in HORIZONT Sonderbeilage zum Digital Innovators‘ Summit 2010

Kindle, iPad, Sony eReader sind technische Innovationen, die weitreichende Veränderungen auslösen werden. Diese neuen Verbreitungswege für Inhalte werden einen weiteren Modernisierungsschub des Kommunikations- und Informationsverhaltens bewirken.

Die Technologie für Massenmarkt-fähige Plattformen und Endgeräte ist jetzt vorhanden und wird ständig weiterentwickelt. Sogar die ersten farbigen Endgeräte sind bereits verfügbar (iPad von Apple). In Deutschland wird eine erste große Distributionswelle im 4. Quartal 2010 erwartet.

Das sind gute Nachrichten für Verlage.

ePublishing eröffnet neue publizistische Möglichkeiten

ePublishing geht weit über das Thema eReader hinaus. Es beinhaltet den Verkauf und die Distribution von publizistischen und Service-Angeboten über Plattformen wie eKiosks und die Darstellung von Inhalten und Services auf Endgeräten wie eReader und Tablet-PC. Die Endgeräte sind durch eine äußerst einfache Bedienbarkeit gekennzeichnet und hochwertig designt. Damit sind sie für eine große Zielgruppe attraktiv.

An diesem neuen Geschäftsfeld können alle Verlage teilhaben, auch die, die sich bisher im digitalen Bereich zurückgehalten haben. Mit überschaubarem Aufwand können sie anfangs Inhalte zum Beispiel als pdf vertreiben. Aufwendiger, aber attraktiver, ist die Anreicherung des pdfs mit Rich Media (Fotos, Filmen, Ton oder Shopping-Modulen) bis hin zur „filmischen“ Aufbereitung der Printinhalte (z.B. über Lösungen wie Flyp Media).

Aber es ist noch mehr möglich: Die neuen Endgeräte übermitteln über ihre Verbindung zum Mobilfunknetz Uhrzeit und Standort des Nutzers. Mittels Algorithmen kann auf die jeweilige Nutzungssituation geschlossen werden. Eigens entwickelte Serviceangebote aus dem Bereich Situation-based Publishing können so weitere Umsatzquellen erschließen.

Der Markt ist noch nicht aufgeteilt

Die Aussichten, mehr vom Kuchen abzubekommen, sind gut, weil der Markt noch nicht verteilt ist. Das Wettbewerbsumfeld ist durch wenige große Technologie- und Telekommunikationsanbieter einerseits und viele kleine Inhalteanbieter andererseits gekennzeichnet. Einige große Player wie bspw. Amazon und Apple versuchen den Markt derzeit sowohl auf der Distributions- wie auch auf der Endgeräteseite zu besetzen. Verlagen bliebe in diesem Modell nur die Rolle des Inhaltelieferanten (ähnlich wie im Internet oder im Mobile Bereich), wenn sie nicht aktiv eigene Lösungen entwickeln.

Die Rolle des reinen Inhalteproduzenten bringt erhebliche Einschränkungen mit sich: die Endkundenbeziehung liegt beim Betreiber der Plattform, der Endkunde ist für Verlage nicht identifizierbar und vermarktbar, der Plattformbetreiber kann das Pricing beeinflussen und in die publizistische Freiheit eingreifen und das Geschäftsmodell ist insgesamt weniger attraktiv, als wenn die Verlage größere Teile der Wertschöpfungskette selber besetzen würden.

In den USA haben Verlage zum Beispiel schon die Initiative ergriffen und mit der next issue media ein Verlagskonsortium (mit Time Inc., Hearst, Meredith, Conde Nast, news corp.) gebildet, das eine gemeinsame Vermarktung der Inhalte der beteiligten fünf Verlage über eine eigene Plattform betreiben will.

Auch in Deutschland soll eine verlagsübergreifende digitale Vertriebsplattform Wirklichkeit werden. DPV Deutscher Pressevertrieb und Bertelsmann haben eine Initiative vorgestellt, die Verlagen eine erfolgreiche Nutzung neuer digitaler Vertriebskanäle ermöglicht. Mittels einer für alle Verlage offenen Technologieplattform können digitale Versionen von Zeitungen, Zeitschriften und Büchern per Download auf eReader-Geräte transportiert werden. Zugleich wird sich beim VDZ eine neue AG ePublishing konstituieren, die sich der Analyse und Entwicklung von Geschäftsmodellen, neuen Formen der Aufbereitung von Inhalten und neuen Services, Fragen der Vermarktung der Angebote gegenüber Usern und Werbungtreibenden sowie digitalen Distributionsplattformen widmet.

Handlungsoptionen für deutsche Verlage

Wir leben in einer Umbruchphase, und jetzt ist der richtige Zeitpunkt, über mögliche eigene Lösungen zu diskutieren und sie ggf. selbst oder mit geeigneten Partnern zu entwickeln. ePublishing bietet den Verlagen die Chance wieder einen größeren Teil der digitalen Wertschöpfungskette zu besetzen. Sie würden sogar eine bessere Position im digitalen Bereich als in Print erlangen, wenn sie den digitalen Vertrieb kontrollieren können.

ePublishing kann sich so als „Game-Changer“ für Verlage erweisen und zusätzliche Umsätze erzielen, neue Zielgruppen für ihre Publikationen erschließen und weitere Werbungtreibende anziehen.

Quelle Pressemitteilung: www.vdz.de (11.03.2010)

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