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Jun
02
2011

Neuseeland wird Gastland der Frankfurter Buchmesse 2012

Neuseeland [Frankfurter Buchmesse-1.06.11] Mitreißende Geschichten und Ideen vom anderen Ende der Welt

Einen entsprechenden Vertrag unterzeichneten am 2. Juni 2011 in Auckland Juergen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse und Lewis Holden, Staatssekretär im neuseeländischen Kulturministerium. Anwesend bei der Unterzeichnung waren außerdem der deutsche Außenminister Guido Westerwelle sowie der neuseeländische Kulturminister Christopher Finlayson.

„Neuseeland bietet kulturelles Erfahren von ungeheurer Intensität“, so Juergen Boos. Mit Neuseeland stellt sich eine Kultur vor, die auf unterschiedlichsten Einflüssen beruht – aus Europa, aber auch aus Polynesien und Asien. „Die multikulturelle Identität Neuseelands beruht auf mitreißenden Geschichten, seien sie mündlich erzählt, geschrieben, gesungen oder verfilmt“, so Boos weiter. Denn der sprichwörtliche „neuseeländische Einfallsreichtum“ äußert sich in der Literatur ebenso wie in Film, Musik, Design und digitalen Medien. Christopher Finlayson sagte: „Als Gastland der Frankfurter Buchmesse wird Neuseeland seine kulturelle Reichweite nicht nur in Deutschland erheblich steigern, sondern auch – bei über 110 ausstellenden Ländern und Hunderttausenden von Messe-Besuchern – international.“

Neuseeland liegt teils auf der australischen, teils auf der ozeanischen Kontintentalplatte. Schillernd ist auch die Identität seiner Kultur, die sich im 20. Jahrhundert von britischen Einflüssen zunehmend emanzipierte und verstärkt auf seine Maori-Traditionen blickte. Während die ersten schriftlichen Zeugnisse über das Land von den Entdeckern James Cook und Georg Forster stammen, ist die mündliche Tradition der polynesischen Stämme wesentlich älter: Um das Jahr 800 n. Chr., so wird geschätzt, kamen die ersten Maoris nach Aotearoa, wie Neuseeland in der offiziellen Landessprache heißt. Im 19. Jahrhundert wurden die Inseln dann britische Kolonie und Einwanderungsland. Heute ist Neuseeland eines von 54 Commonwealth-Ländern. Seine Gesellschaft ist geprägt durch Immigranten aus Europa, Indien, Asien, Lateinamerika und Afrika. Postkolonialismus und polynesische Vielfalt beeinflussen die Kultur Neuseelands auch heute. Die lebendige Demokratie des Landes zeigt sich auch in der Kultur, die oft politische Themen aufgreift.

Die offizielle Gleichberechtigung der indigenen Sprache der Maoris neben dem Englischen ist dabei hart erkämpft: Der Dichter Hone Tuwhare war der erste, der Maori-Lyrik in englischer Sprache verfasste, Booker-Preisträgerin Keri Hulme („The Bone People“, 1984) versteht sich selbst ebenso wie Alan Duff („Once were Warriors“ 1990) als eng mit der Maori-Bewegung verbunden. Witi Ihimaera gilt als der bekannteste lebende Maori-Schriftsteller (u.a. „Whale Rider“, 2002 von Niki Caro verfilmt). In Deutschland verlegt sind bislang nur wenige neuseeländische Autoren, darunter Alan Duff, Patricia Grace, die Krimi-Autorin Ngaio Marsh und Anthony McCarten („Ladies’ Night“, „Superhero“). Die wohl berühmtesten Autoren der Inseln sind Katherine Mansfield, aber auch Michael King oder Janet Frame – ihre Autobiografie „Ein Engel an meiner Tafel“ wurde 1990 von Jane Campion verfilmt.

Die neuseeländische Autorenvereinigung des P.E.N. hat rund 1.300 Mitglieder und ist sehr aktiv. Rund 2.000 Titel kommen jährlich neu auf den Markt. Die Publishers Association of New Zealand umfasst rund 80 neuseeländische Verlage, die jährlich rund 550 Millionen Euro Umsatz generieren. Die gesamte neuseeländische Kulturindustrie erwirtschaftete 2007 einen Umsatz von rund 7 Milliarden Euro. Mit Neuseeland wird – nach Indien und Irland – zum dritten Mal ein englischsprachiges Land Gastland der Frankfurter Buchmesse.

Quelle Pressemitteilung: de.book-fair.com (1.06.2011)

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