«

»

Jun
28
2011

BR-Reportage über schwule Schuhplattler

schwule Schuhplattler [Bayerischer Rundfunk-28.06.11] Neuer Sendetermin für preisgekrönten Film

Der Bund Lesbischer und Schwuler JournalistInnen zeichnete „Traditionsbewusst, heimatverbunden, schwul – Eine ganz normale Volkstanzgruppe aus Bayern“ von Steffi Illinger mit dem Felix-Rexhausen-Preis 2011 aus – Dienstag, 5. Juli, 21.15 Uhr im Bayerischen Fernsehen.

Fernsehdirektor Prof. Dr. Gerhard Fuchs freut sich über die Auszeichnung: „Das Abbauen von Vorurteilen und die Förderung von Toleranz gehört ganz zentral zu unseren öffentlich-rechtlichen Aufgaben. Der Film repräsentiert in eindrücklicher Weise einen weltoffenen und gleichzeitig heimatverbundenen Bayerischen Rundfunk, der die Vielfalt der Lebensformen in einem modernen und traditionsreichen Freistaat abbildet. Daher hat er den Preis verdient.“

Zwischen Schnacklwalzer und Schwulenfeindlichkeit
Sie heißen Sepp oder Schorsch, sie sind bodenständig, katholisch, urbayerisch. Sie pflegen das Brauchtum, die Tradition und den bayerischen Dialekt. Sie sind gestandene bajuwarische Mannsbilder. Und sie sind homosexuell. In ihrem preisgekrönten Film, der am 5. Oktober 2010 in der Reihe „Vor Ort – die Reportage“ erstmals ausgestrahlt wurde, berichtet Steffi Illinger über die „D’Schwuhplattler““, den ersten und einzigen schwulen Schuhplattler-Verein der Welt. Obwohl die zünftigen Münchner Plattler-Burschen mit Hingabe und Leidenschaft alpenländisches Kulturerbe bewahren, wird ihnen in Bayern oft mit Feindseligkeit begegnet.

Vorurteile, Ablehnung und Diskriminierung
Während für die Schwuhplattler die Freude am Tanz im Vordergrund steht, stören sich manche an ihrer sexuellen Orientierung. „Schwule sind keine anständigen Menschen“, kommentierte ein anonymer Zeitgenosse ein Tanzvideo der Truppe auf youtube. Eine Meinung, die offenbar insgeheim noch so manche Trachtler und Traditionalisten teilen. Der Vorsitzende der Bayerischen Trachtenverbände, Otto Dufter, drückt es so aus: „Das trifft das Herz des Urbayern und ist einfach irgendwo atypisch. Das gehört sich nicht, und das hat auch der Schuhplattler nicht verdient, dass er für so was missbraucht wird.“

Keine Liberalitas Bavariae für die engagierten „Heimatpfleger“
Die Schwuhplattler selbst können nicht nachvollziehen, warum ihnen diese Feindseligkeit entgegen schlägt. Sie denken Bayerisch, fühlen Bayerisch und wollen diese Heimatverbundenheit zum Ausdruck bringen. Viele kommen vom Land und wären gerne in ihren Heimatdörfern, Trachtenvereinen und Kirchengemeinden geblieben, wenn Ablehnung und Diskriminierung dies nicht erschwert hätten. Trotzdem sei es der Autorin gelungen, lobte die Jury, ohne erhobenen Zeigefinger deutlich zu machen, wie schwer es ist, Vorurteile abzubauen. „Der Film ist sowohl unterhaltsam als auch informativ und regt zum Nachdenken an“, lobte die Jury und würdigte mit dem Preis das publizistische Engagement.

Mit Lap Top und Lederhose, aber ohne Dirndl
Der Film wurde aus über 80 Einreichungen von – so die Jury – „insgesamt sehr hoher Qualität“ ausgewählt. Groß war die Freude in der zuständigen Redaktion Kulturberichte und Kulturpolitik über diese Anerkennung. „Der Film beweist, dass eine tiefe Verwurzelung in den Traditionen der Heimat und das Abweichen von konventionellen Lebensformen kein Widerspruch sein muss“, sagt Redaktionsleiterin Sabine Reeh, die den Film auch redaktionell betreut hat. „In den Reportagen und Dokumentationen der Redaktion zeigen wir ein zukunftsorientiertes Bayern, das sich stark im Wandel befindet und gleichzeitig entspannt und selbstbewusst sein kulturelles Erbe pflegt. Allerdings hat es uns schon schockiert, wie viel Ablehnung den schwulen Schuhplattlern immer noch entgegen schlägt. Wir freuen uns daher ganz besonders über diese Auszeichnung und hoffen, dass der Film von Steffi Illinger dazu beitragen kann, der in unserer Gesellschaft immer noch präsenten Homophobie entgegenzuwirken.“

Die bisher noch nicht gesendete 45-minütige Langfassung hat bei den Musikfilmtagen Oberaudorf am 10. Juli Premiere.

Felix-Rexhausen-Preis
Der Felix-Rexhausen-JournalistInnenpreis würdigt besonderes publizistisches Engagement bei der vorurteilsfreien Berichterstattung über Lesben und Schwule. Er wurde 1998 vom Bund Lesbischer und Schwuler JournalistInnen (BLSJ) ins Leben gerufen und wird seitdem jährlich ausgeschrieben. 2010 erhielt ihn Roger Willemsen.

Quelle Pressemitteilung: www.br-online.de (28.06.2011)

Artikel wurde auf Google gesucht mit:

  • content
  • schwule schuhplattler
· Gelesen: 5320 · heute: 2